Dienstag, 20. Januar 2009
Daß es organisierte Diebe gibt, die sich spezialisiert haben auf hochwertiges Gerät, ist bekannt. Auch den Ermittlungsbehörden und den Strafrichtern:
Sechs Männer und zwei Frauen, [...], waren angeklagt, als die Hauptverhandlung im vergangenen Jahr vor der 7. Strafkammer des Landgerichts München I begann. Mittlerweile sind noch zwei Angeklagte übrig – die anderen wurden zu Haftstrafen zwischen einem Jahr neun Monaten und vier Jahren acht Monaten verurteilt. In der Sache waren die Angeklagten großteils geständig [...]. Sie mieteten Transporter, fuhren damit in Tiefgaragen, brachen Gitterboxen auf, in denen Motorräder verwahrt wurden, luden die Beute ein und brachten sie zu einem Lager [...]. Von dort wurden die Fahrzeuge dann ins Ausland gebracht und verkauft.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Auf diese Art ist auch meine KTM vor ein paar Jahren aus dem Hinterhof geklaut worden. In meinem Fall sind mir die Diebe gefolgt, um den Standort des Moppeds zu ermitteln.
Es geht aber auch anders:
Kristina S. ist im Kreisverwaltungsreferat stellvertretende Leiterin eines Sachgebiets in der Unterabteilung Verkehrsüberwachung. Oder besser gesagt: Sie war. Denn ihr wird vorgeworfen, ihr Dienstgeheimnis verletzt zu haben. [...] Konkret soll die KVR-Mitarbeiterin den Dieben Adressen beschafft haben. Die Täter nannten ihr Kennzeichen teurer Motorräder, die sie in der Stadt gesehen hatten. Dann soll Kristina S. ihnen Auskunft darüber erteilt haben, wo genau sie die begehrte Beute finden.
Quelle: Abendzeitung
Wie kommt sowas raus?
Einen Hinweis darauf lieferte ein Dialog aus einer Telefonüberwachung [...]. Ein Bandenmitglied sagte zum anderen: “Ich werde ihr die Kennzeichen heute geben, vielleicht schafft sie”s, dann können wir morgen arbeiten.”
[...]
Die Diebe fuhren offenbar in der Stadt umher auf der Suche nach teuren Motorrädern, notierten die Kennzeichen, übergaben die Notizen Kristina S., und die suchte dann die dazugehörigen Adressen heraus.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Es gibt Straftaten, da machen auch einem Strafverteidiger keine richtige Freude.
Danke an die Donnerkatze für die Links.
Strafrecht |
Donnerstag, 15. Januar 2009
In der Nacht zum Sonntag hatten etwa zehn bis 15 teils vermummte sowie mit Baseballschlägern und Schlagringen bewaffnete Männer den Veranstaltungsraum in der Schlunkendorfer Straße gestürmt und mehrere Gäste – unter ihnen Rocker aus Skandinavien – angegriffen. Die Täter raubten Handys und Kleidung. Sie zerstörten zudem alle Scheiben eines Autos und flüchteten.
Kurz nach der Attacke stoppte die Polizei auf der Bundesstraße 2, Richtung Potsdam, ein verdächtiges Auto. In ihm fanden die Beamten eine Machete, ein Schlagring, Pfefferspray sowie eine bei dem Überfall geraubte Lederweste (“Kutte”) des schwedischen Motorradclubs “Veteran MC” aus Lövestad. Im Wagen saßen die Rocker des Gremium MC; ein Mitglied aus Potsdam, die vier übrigen aus Sachsen-Anhalt.
“Wir sind deshalb absolut sicher, dass die fünf Männer etwas mit der Tat zu tun haben”, sagte Rudi Sonntag, Sprecher des Präsidiums in Potsdam. Seine Kollegen ermitteln nun wegen Raubes, gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie schweren Landfriedensbruchs.
Quelle: Morgenpost
Wenn die Machete, der Schlagring, der Pfefferspray und die Kutte eines “Veteranen” alles ist, was die Ermittler in der Hand haben, wird das sicherlich nichts mit der Beweisführung. Das dürfte zuwenig sein, um den Tatnachweis erbringen zu können.
Es sei denn, (nur) einer der fünf Member des Gremium MC schweigt nicht, sondern “verteidigt” sich selbst, ohne sich vorher ordentlich beraten zu lassen.
Übrigens: “Absolut sicher” waren sich die Ermittler in der Geschichte mit dem Passauer Polizeipräsidenten Manichl anfangs auch. Das hört sich ein paar Wochen später auch anders an. Ein seriöser Ermittler sollte den Tag nicht vor dem Abend loben …
Rocker, Zulassungsrecht |
Mittwoch, 7. Januar 2009
Es geht um versuchten Totschlag, der zwei Mitgliedern der Red Devils vorgeworfen wurde. Die Staatsanwaltschaft behauptete in der Anklageschrift, die Beiden hätten einen (suspendierten) Polizeibeamten angeschossen, der “irgendwie” Kontakte zu den Bandidos haben sollte. Alles recht düster beim Landgericht Neuruppin, das über den Vorwurf seit dem 9. Dezember 2008 verhandelt.
Die beiden Angeklagten verteidigten sich durch Schweigen. Jedenfalls bis gestern.
Fünf Monate nach zwei Schüssen auf einen Autofahrer in Hennigsdorf (Oberhavel) brachen gestern die beiden Tatverdächtigen vor dem Landgericht Neuruppin ihr Schweigen.
schreibt die Berliner Morgenpost.
Der eine gestand die Schüsse. Damit entfiel der “dringende Tatverdacht” gegen den anderen; er wurde aus der Untersuchungshaft entlassen.
Das sieht ganz nach Gesprächen “außerhalb des Protokolls” aus, die zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung geführt haben.
Danke an die Donnerkatze für den Hinweis auf den Artikel.
Rocker, Strafrecht |